Projekt Nachwuchs
Verfasst von CreativeRabbit am Sonntag, 17. Juni 2007
Ich hatte ja ganz am Anfang mal geschrieben, dass ich dieses Blog aus verschiedenen Gründen zumindest vorerst anonym schreiben möchte. Einer dieser Gründe war, dass ich mir die Möglichkeit lassen wollte, offen über unsere Familienplanung zu schreiben. Diese ist ja eigentlich ziemlich privat, aber von der Seele schreiben möchte man es sich ja doch mal, und vielleicht auch mal erfahren, was andere dazu denken.
Nach den Ereignissen der letzten Woche ist es jetzt für mich mal an der Zeit, einen Anfang zu diesem Thema zu machen
Ich werde dann wohl mal ein bißchen ausholen und hoffe, dass Euch die ganze Sache auch interessiert!
Mein Liebster und ich sind mittlerweile seit bald 5 Jahren verheiratet, und wir kennen uns seit über 8 Jahren. Mittlerweile wohnen wir in einem kleinen gemieteten Reihenhäuschen, haben Katze und Hund… Was fehlt? Richtig, der Nachwuchs.
So komisch das klingen mag, ich wusste schon recht früh, dass ich später unbedingt Kinder haben möchte. Und daran hat sich auch bis heute nichts geändert
Als ich 16 war fing ich an, regelmäßig auf Kinder von Bekannten aufzupassen, ich habe ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht, und war auch kurz davor, mir das zum Beruf zu machen. Also wirklich eine Leidenschaft, die sich konsequent durch mein Leben zieht.
Nun habe ich das Glück, dass mein Liebster Kinder auch so gerne mag, und es für ihn auch dazu gehört, dass wir welche haben. Er hat sogar mal sein Freiwilliges Soziales Jahr im Mutter-Kind-Kurheim gemacht und weiß, wie man wickelt
(im Gegensatz zu mir…).
nun mag der geneigte Leser denken “Und? Wo ist das Problem? Was ist daran jetzt so ungewöhnlich, dass es in ein Blog gehört? Macht doch einfach!”
Aber so einfach war es leider nicht. Wir haben es natürlich eine ganze Zeit lang “probiert”. Meine Frauenärztin war hellauf begeistert von unseren Plänen, so kam ich ja schließlich ganz automatisch zu der von ihr gewünschten “Pillenpause”. Aber meine Hormone haben ganz schön gestreitk, und als sich das auch nach etwa 1 Jahr nicht normalisierte wurden wir an eine sogenannte Kinderwunschklinik überwiesen. (Zwischendurch haben wir noch so Horrorszenarien wie eine genetische Beratung über uns ergehen lassen…)
In dieser Klinik standen uns eine ganze Menge Termine bevor, wir wurden auf Herz und Nieren durchgecheckt. Dabei wurde festgestellt, dass bei mir gesundheitlich durchaus einiges nicht ok ist, was in letzter Konsequenz dazu führt, dass ich ohne medizinische Hilfe nicht in der Lage bin, Kinder zu bekommen. Da brach für mich erstmal eine Welt zusammen, denn schließlich waren Kinder für mich irgendwie mit das wichtigste auf der Welt.
Wir haben dann gemeinsam mit den Ärzten meine gesundheitlichen Probleme einigermaßen in den griff bekommen und irgendwann mit der Behandlung für eine künstliche Befruchtung begonnen. Im Nachhinein denke ich, dass es vielleicht doch ein wenig zu früh dafür war und mein Körper noch absolut nicht fit dafür war. Gegen Ende der behandlung habe ich außergewöhnlich start gelitten und habe dadurch die Behandlung als solche auch ziemlich negativ in Erinnerung. Wär sie sicherlich nicht gewesen, wenn mein Körper nicht so massiv überreagiert hätte. Diese Behandlung ist jetzt 2,5 Jahre her. Und ich habe für mich nicht ausgeschlossen, es nochmal “durchzumachen”, möchte damit aber definitiv noch eine Weile warten (von der Kostenfrage mal ganz abgesehen).
Für meinen Liebsten und mich war dann erstmal nachdenken angesagt. Wie sollte es weitergehen? Wie kommen wir mit einem leben klar, dass nicht unseren Wünschen und Vorstellungen entspricht? Können und wollen wir das?
Das hat ziemlich lange gedauert, aber etwa 1 Jahr nach Ende der Behandlung hatten wir mit dem hiesigen Jugendamt Kontakt aufgenommen, um uns um eine Adoption zu bewerben. ganz ohne Kinder geht nicht, da waren wir uns einig. Und ob es nun die eigenen oder fremde Kinder sind wurde uns immer unwichtiger.
Irgendwann wurden wir zu einem Infonachmittag eingeladen. Die anderen Paare waren alle vom Typ her ganz anders als wir. Deutlich älter, so Mitte 40 rum, eher die Karrieretypen. Da kamen wir uns ein wenig komisch vor
Nachdem uns mitgeteilt wurden, dass es hier in den letzten Jahren nicht eine einzige Adoptionsvermittlung gab, da diese Möglichkeit in Deutschland mittlerweile so gut wie “ausgestorben” ist, wies man uns darauf hin, dass die Stadt aber Pflegeeltern suche, gab uns Informationen darüber und entließ uns in unser Schicksal.
Dass es nicht einfach war, ein Adoptivkind zu bekommen, war uns immer klar. Aber dass es praktisch unmöglich war wussten wir nicht. Aber die Alternative klang für mich auch akzeptabel. Ich erinnerte mich dran, dass ich in der Grundschule einen Jungen in meiner Klasse hatte, der auch als Pflegesohn aufwuchs. Für mich war die Sache relativ schnell klar, dass ich das ok finde, mein Liebster brauchte ein paar Wochen mehr Bedenkzeit. Aber dann meldeten wir uns etwa 2 Monate später erneut beim Jugendamt, um uns als Pflegeeltern anzubieten.
Hier war dann auch der Zeitpunkt gekommen, wi wir endlich unsere Eltern einweihten. Dadurch, dass wir beide etwas weiter weg von unseren Eltern wohnen, konnten wir alles vorherige komplett für uns behalten. Wir wollten das alleine schaffen, und uns auch vor Nachfragen à la “Und? Hats geklappt?” und die psychische Belastung dadurch schützen. Aber nun waren wir soweit und weihten unsere Eltern ein, die unsere Pläne zum Glück auch positiv auffassten.
Ja, und nun sind wir seit ungefähr 15 Monaten wieder intensiv am “Projekt Nachwuchs” dran, mittlerweile sogar mit Erfolg.
Letzte Woche erhielten wir einen Anruf vom Jugendamt, demnächst lernen wir einen kleinen Jungen kennenm der dann hoffentlich recht bald bei uns einzieht.
Ich denke, das reicht für den Anfang erstmal. Ich werde bei Gelegenheit nochmal genauer berichten, wie unsere Bewerbungsphase ablief, was das alles genau bedeutet usw.
Und natürlich werde ich berichten, wie es nach dem Anruf weiterging. Aber alles Stück für Stück, ich denke, dieser Beitrag hier ist eh schon viel zu lang und noch dazu recht “harte Kost”… für mich zumindest
Aber ich hoffe, Euch ist nicht langweilig geworden, und vielleicht finden sich ja hier ein paar Mitfieberinnen…
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