Training
Verfasst von CreativeRabbit am Mittwoch, 16. Juli 2008
Wir gehören jetzt auch “dazu”. Wir Trainieren mit unserem Hund. Mit einem richtigen Hundetrainer. In Einzelstunden.
“Uuuuuh, der muss aber schlecht erzogen sein, wenn man sogar Einzelstunden braucht…”
Nein, isser nicht. Im Gegenteil. Eigentlich ist er sogar recht gut erzogen, vor allem dafür, dass wir das völlig ahnungslos und ohne Anleitung gemacht haben. Er beißt nicht, er macht Sitz und Platz, wenn man es ihm sagt. Sogar auf Handzeichen. Er kann Kunststückchen: Pfötchen geben, auch beide gleichzeitig. Oder eine Rolle machen.
Was er nicht kann, ist ohne Leine frei herumlaufen. Also im Park oder so. Im Garten geht das natürlich hervorragend.
Jedenfalls finden wir es sehr schade, dass er das nicht kann. Warum er das nicht kann? Weil er ‘ne Macke hat. Oder auch ein paar mehrere.
Vor fast 4 Jahren haben wir den kleinen Racker bekommen. Aus einem spanischen Tierheim. Da war er aber dummerweise schon um die 7-8 Monate alt. Und hatte schon Schweres hinter sich. Auf jeden Fall hat er auf der Straße gelebt und ist aufs Übelste geprügelt worden.
Die Folgen: er hat Angst. Und zwar entsetzliche Angst. Vor allem, was ihm zu nahe kommt, sich schnell bewegt, laut ist. (Nicht so entspannt, wenn man ein Kleinklind hat…) Und er hat keine so prima Bindung, noch dazu einen riesen Laufradius. Für ihn ist es normal, sich mal eben 3km im gestreckten Galopp von uns zu entfernen. Sobald er aber übers WE bei meiner Freundin ist und sie ihn laufen lässt, weicht er ihr kaum von der Seite. Dann sind wir ja nicht da, das ist alles nicht normal.
Ein paar andere Macken hat er noch. Alles nichts Schlimmes. Z.B. mit Karacho gegen die Haustür springen, wenn wir Post bekommen (der Briefkasten ist ein Schlitz in der Tür. Also durchaus nachvollziehbar.), oder sich viel zu überschwenglich zu freuen, wenn jemand zu Besuch kommt. Oder über den (viel zu niedrigen, inzwischen behoben) Zaun zu springen, wenn neben SEINEM Revier ein anderer Hund ist. All sowas.
Dieses eine Mal über den Zaun springen war für mich der berühmte Tropfen, der zum Überlaufen des Fasses geführt hat. Ich hab mir Hilfe rangeholt, weil ich mir einen viel entspannteren Umgang mit dem Hund wünsche. Für uns alle, gegenseitig. Also habe ich einen Hundetrainer zu uns nach Hause bestellt. Er hat sich alles angesehen, auch den Hund, mir da schon viele wertvolle Tipps gegeben, die wir teilweise auch schon erfolgreich umsetzen können. Und vor allem hat er mir Mut gemacht. Mir gesagt, dass es nicht so hoffnungslos mit dem Racker ist, wie ich befürchtet hatte. Im Gegenteil. Denn er ist ein von Grund auf freundlicher, liebevoller Hund. Ha! Meine Erziehung! *g* Nee, mal im Ernst, allein die Tatsache, dass er sich von uns mit der Hand auf den Kopf fassen lässt, schien anfangs ein Ding der Unmöglichkeit und war nach wenigen Wochen völlig unproblematisch. Oder dass er sich neben unseren Zwerg setzt und ihn abschlabbert. Schön ist das!
Nicht schön ist, wenn ich nicht mit ihm Gassi gehen mag, weil ich angst hab, anderen Hunden zu begegnen. Und das lässt sich ja eher nicht vermeiden. Meine Angst überträgt sich natürlich auf den Kleinen, und so ist es vorprogrammiert, dass solche Situationen dann tatsächlich unentspannt werden.
Bei unserer 1. Trainingsstunde waren wir sowohl mit einem Halti als auch mit der Schleppleine im Park unterwegs. Mit Hund, Papa, Mama, Kind, Buggy und Hundetrainer. Und ich war völlig entspannt. Ich wusste ja, dass mir jemand helfen kann, falls etwas passiert. Und was soll man sagen? Der Hund benahm sich vorbildlich. Er hörte meist aufs 1. Wort, hat die Schleppleine als Entfernungsradius akzeptiert, andere Hunde zwar wahrgenommen, aber nicht auf Teufel komm raus versucht, zu ihnen hinzukommen. Das absolute Gegenteil von wenn ich alleine mit ihm unterwegs bin. Klare Sache: Vorführeffekt. Aber schön zu sehen, wie es sein kann.
Gestern waren wir wieder unterwegs: Papa, Kind, Buggy, Mama und Hund, aber anderer Park. Und ich war mutig, ich wusste ja nun, dass es geht. Nicht 100%ig entspannt, aber schon so gut wie. Und es lief auch gut. Fast kein Stress mit anderen Hunden. Dieses eine Mal an der Leine ziehen konnte durch eine klare Ansage “abgestellt” werden. Danach war alles absolut friedlich. Einzig und allein das Herankommen wenn man ihn rief hat nicht so geklappt, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber das ist sicher etwas tagesform-abhängig und bedarf noch viel Übung. Ist aber auch doof, wenn der kleine Racker draußen keine Leckerbissen fressen mag, so hat man echt kein Lockmittel. Aber zufrieden waren wir dennoch. Und erschöpft, alle, die Strecke war schon nicht kurz. Spaß hat’s gemacht!
Morgen haben wir unsere nächste Stunde, diesmal direkt am Hundeübungsplatz. Damit wir auch mal “richtige” Ablenkung haben. Ich fürchte, das wird mehr als anstrengend. Noch dazu, wenn es regnet. Aber was muss, das muss. Das Schlimmste, was uns jetzt passieren kann, ist, wenn wir das Training nicht durchhalten. Da werden wir uns echt zusammenreißen müssen. Zumal es uns natürlich auch eine Stange Geld kostet. Aber, nochmal: was muss, das muss.
Sogar Theoriestunden sind dabei. Damit man nicht nur praktische Übungen macht, sondern auch versteht, was und warum man etwas macht. Finde ich gut. Freu ich mich auch schon drauf.
Ach, insgesamt bin ich echt zuversichtlich, dass wir das alles hinkriegen. Zumal wir ja “nur” Entspannung als Ziel haben, und keinen top-ausgebildeten Superhund erwarten…





schnuten sagte
FInd ich gut, dass ihr das macht. Manchmal glaub ich bräuchten wir das auch. Auch Tycon ist lieb und treu. Doch ab und zu, wenn wir unterwegs sind, haut er ab. Und er springt zur Begrüßung auch an allen hoch! Furchtbar!
CreativeRabbit sagte
Also nachdem wir nun die 2. richtige Stunde hatten kann ich sowas nur empfehlen. Machts doch auch ruhig mal, tut nicht weh. (Höchstens dem Geldbeutel…)